Der Katholische Gesellenverein Velen

Adolph Kolpings Ideen hielten spätestens im September 1852 durch seine Reden auf der katholischen Generalversammlung in Münster Einzug ins Münsterland. Wahrscheinlich waren einem Kreis interessierter Katholiken und Klerikern des Münsterlandes Kolpings Ideen aber auch schon vorher durch dessen rege publistizistische Tätigkeit bekannt geworden. In den Broschüren „Der Gesellenverein" (1848/49) oder „Für ein GesellenHospitium" (1852) hatte er die Idee des Gesellenvereins bereits vor dem Treffen in Münster schriftlich vorgestellt.

Die Generalversammlungen der katholischen Vereine gelten als Vorläufer der heutigen Katholikentage. Kolping nutzte sie, um seine Idee des Gesellenvereins einem „Fachpublikum" vorzutragen. 1851 hatte er erstmals auf der Veranstaltung in Mainz als Redner Beachtung gefunden. Nun, ein Jahr später, begeisterte er in Münster. Das blieb nicht ohne Folgen. Noch im November 1852 gründete Kolping selbst den ersten Katholischen Gesellenverein Münsters, der als Keimzelle der heutigen Kolpingsfamilie Münster-Zentral sowie des Kolping Diözesanverbandes Münster gilt.

Erstes Vereinslokal ...

war die Gaststätte Hillers-Lensing

(später Claushues-Fragemann)

Die Gründung des Velener Gesellenvereins 1904 wird in den bisherigen Chroniken des Vereins unterschiedlich bewertet - mal als spät, mal als früh. Für die Bewertung "spät" spricht, dass seit dem Auftritt Kolpings in Münster immerhin 52 Jahre vergangen waren. Doch bis dato hatten lediglich die größeren Städte Gesellenvereine hervorgebracht. Unter den kleinen münsterländischen Landgemeinden war Velen einer der frühesten Orte. Die meisten umliegenden Gemeinden gründeten erst 25 Jahre später ihre Vereine. In der Stadt Borken allerdings gab es bereits ab 1879 einen Gesellenverein.

Der Anstoß zur Gründung des Katholischen Gesellenvereins Velen ging nach Auskunft des Verfasser der Chronik zum 25jährigen Jubiläum des Vereins, Rektor August Wenn, auf einige Gesellen zurück, die in der damals neu errichteten Möbelfabrik der Gebr. Röttger in Velen Arbeit gefunden hatten. Darunter war auch Bernhard Nienhaus, ein Schreiner- geselle aus Borken, der sich besonders stark für die Gründung eines Gesellenvereins einsetzte. Er hatte laut Rektor Wenn im Rahmen einer Pilgerreise nach Jerusalem die Ideen Kolpings und die Aktivitäten der Gesellenvereine kennengelernt. August Wenn spricht von den „Wohltaten der Gesellenvereine", die Nienhaus erfahren habe. Das lässt darauf schließen, dass der Schreinergeselle auf seiner Reise Gast in den „Hospizen" der Vereine. den späteren Kolpinghäusern, war und hier ein Bett und eine Mahlzeit bekommen hatte. Als Sohn der Stadt Borken wird er aber auch Kenntnis vom dortigen Gesellenverein gehabt haben.

Aufnahme-Urkunde

"Der katholische Gesellenverein

zu Velen wurde gegründet am 13. März 1904, in den allgemeinen Verband der katholischen Gesellenvereine am 26. Juni 1905 aufgenommen und hat sich damit an die treue, gewissenhafte Befolgung der allgemeinen Statuten der katholischen Gesellenvereine, wie solche publiziert worden sind und publiziert werden, verpflichtet". So heißt es im Diplom der Kolpingsfamilie Velen.

Nienhaus war aber nicht allein. Rektor Wenn nennt neben ihm namentlich die Gesellen Hermann Heselhaus, Heinrich Reckers und Hermann Sundrum, die ihr Anliegen dem damaligen Vikar Drolshagen vortrugen. Im Einvernehmen mit dem damaligen Pastor Rose nahm sich dieser der Idee an und wurde wenig später auch erster Präses des Vereins. In der Wirtschaft Hillers-Lensing (später hieß sie Claushues-Fragemann) tagte die Gründungsversammlung, bei der bereits 40 Gesellen dem Verein beitraten. Die Chroniken nennen den 4. Fastensonntag als Datum. Das war der 13. März 1904, zugleich das damalige St. Josephfest. Der Heilige Josef ist bis heute der Schutzheilige der Kolpingsfamilien weltweit.

Inhaber und Mitarbeiter ...

der Schreinerei Röttger

vor dem Firmengebäude an der Hauptstraße (um 1900)

Das „Borkener Wochenblatt", Vorläufer der Borkener Zeitung, berichtet in seiner Ausgabe vom 23. April 1904 aus Anlass der ersten großen Zusammenkunft des Vereins indirekt von der Gründung des Velener Gesellenvereins. Der Artikel selbst ist datiert auf den 19. April. Die Gründung lag da rund fünf Wochen zurück.

„Velen, 19.April. Der seit einigen Wochen hier bestehende kath. Gesellenverein feierte am vergangenen Sonntag sein I. Stiftungsfest. Obgleich nur die Gesellen und Ehrenmitglieder Zutritt hatten, war der ganze Saal dicht besetzt. Außer den Vertretern der kirchlichen und weltlichen Behörde beehrten auch einige Herren Geistliche der Nachbarschaft das Fest mit ihrer Gegenwart. Nachdem der Präses des Vereins, Herr Vikar Drolshagen die Erschienenen willkommen geheißen hatte, begrüßte der Präses des Bocholter Gesellenvereins Herr Kaplan Drestomark den jungen Bruderverein in längerer Rede, in welcher er den Mitgliedern besonders die Tugenden warm anempfahl, die Vater Kolping in seinen Wahlsprüchen zusammengestellt hat. Dann trat der Frohsinn in seine Rechte. Gemeinsame Lieder wechselten mit humoristischen Vorträgen, die allgemeinen Beifall fanden. Den Höhepunkt erreichten die Darbietungen in einem längeren Theaterstücke: Das geplagte Schneiderlein. Das flotte und verständnißvolle Spiel zeigte, daß sich unter den jungen Leuten tüchtige schauspielerische Kräfte befinden. Auf vielseitigen Wunsch wird der Verein am nächsten Sonntag den 24 ds. Mts. Abends '/28 Uhr eine Wiederholung dieses Stückes mit einer Zugabe veranstalten, zu der jedermann gegen geringes Entree Zutritt hat. Der Verein kann mit Befriedigung auf sein 1. Stiftungsfest zurückschauen und in dem schönen Verlauf desselben ein günstiges Vorzeichen für die Zukunft erblicken."

Der Artikel legt die Vermutung nahe, dass sich die Gesellen bereits vor der offiziellen Gründung des Vereins organisiert hatten. Ein Theaterspiel ist nicht in fünf Wochen aufführungsreif von einer Laienspielschar einstudierbar.

Meldung im Borkener Wochenblatt ...

vom 23. April 1904

Haus Bücker in der Hauptstraße ...

um 1910:

ein typisches Stellmacher-Haus. Die Stämme wurden mit der Handsäge für den Schnitt in Bretter und Bohlen vorbereitet.

Hier geht's weiter. > mehr