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Chronik

Wahlspruch des katholischen Gesellenvereins Velen

 

Religion und Tugend

Arbeitsamkeit und Fleiß

Eintracht und Liebe
Frohsinn und Scherz

 

 

 

Der Katholische Gesellenverein Velen

Adolph Kolpings Ideen hielten spätestens im September 1852 durch seine Reden auf der katholischen Generalversammlung in Münster Einzug ins Münsterland. Wahrscheinlich waren einem Kreis interessierter Katholiken und Klerikern des Münsterlandes Kolpings Ideen aber auch schon vorher durch dessen rege publistizistische Tätigkeit bekannt geworden. In den Broschüren „Der Gesellenverein" (1848/49) oder „Für ein GesellenHospitium" (1852) hatte er die Idee des Gesellenvereins bereits vor dem Treffen in Münster schriftlich vorgestellt.

Die Generalversammlungen der katholischen Vereine gelten als Vorläufer der heutigen Katholikentage. Kolping nutzte sie, um seine Idee des Gesellenvereins einem „Fachpublikum" vorzutragen. 1851 hatte er erstmals auf der Veranstaltung in Mainz als Redner Beachtung gefunden. Nun, ein Jahr später, begeisterte er in Münster. Das blieb nicht ohne Folgen. Noch im November 1852 gründete Kolping selbst den ersten Katholischen Gesellenverein Münsters, der als Keimzelle der heutigen Kolpingsfamilie Münster-Zentral sowie des Kolping Diözesanverbandes Münster gilt.

Erstes Vereinslokal ...

war die Gaststätte Hillers-Lensing

(später Claushues-Fragemann)

Die Gründung des Velener Gesellenvereins 1904 wird in den bisherigen Chroniken des Vereins unterschiedlich bewertet - mal als spät, mal als früh. Für die Bewertung "spät" spricht, dass seit dem Auftritt Kolpings in Münster immerhin 52 Jahre vergangen waren. Doch bis dato hatten lediglich die größeren Städte Gesellenvereine hervorgebracht. Unter den kleinen münsterländischen Landgemeinden war Velen einer der frühesten Orte. Die meisten umliegenden Gemeinden gründeten erst 25 Jahre später ihre Vereine. In der Stadt Borken allerdings gab es bereits ab 1879 einen Gesellenverein.

Der Anstoß zur Gründung des Katholischen Gesellenvereins Velen ging nach Auskunft des Verfasser der Chronik zum 25jährigen Jubiläum des Vereins, Rektor August Wenn, auf einige Gesellen zurück, die in der damals neu errichteten Möbelfabrik der Gebr. Röttger in Velen Arbeit gefunden hatten. Darunter war auch Bernhard Nienhaus, ein Schreiner- geselle aus Borken, der sich besonders stark für die Gründung eines Gesellenvereins einsetzte. Er hatte laut Rektor Wenn im Rahmen einer Pilgerreise nach Jerusalem die Ideen Kolpings und die Aktivitäten der Gesellenvereine kennengelernt. August Wenn spricht von den „Wohltaten der Gesellenvereine", die Nienhaus erfahren habe. Das lässt darauf schließen, dass der Schreinergeselle auf seiner Reise Gast in den „Hospizen" der Vereine. den späteren Kolpinghäusern, war und hier ein Bett und eine Mahlzeit bekommen hatte. Als Sohn der Stadt Borken wird er aber auch Kenntnis vom dortigen Gesellenverein gehabt haben.

Aufnahme-Urkunde

"Der katholische Gesellenverein

zu Velen wurde gegründet am 13. März 1904, in den allgemeinen Verband der katholischen Gesellenvereine am 26. Juni 1905 aufgenommen und hat sich damit an die treue, gewissenhafte Befolgung der allgemeinen Statuten der katholischen Gesellenvereine, wie solche publiziert worden sind und publiziert werden, verpflichtet". So heißt es im Diplom der Kolpingsfamilie Velen.

Nienhaus war aber nicht allein. Rektor Wenn nennt neben ihm namentlich die Gesellen Hermann Heselhaus, Heinrich Reckers und Hermann Sundrum, die ihr Anliegen dem damaligen Vikar Drolshagen vortrugen. Im Einvernehmen mit dem damaligen Pastor Rose nahm sich dieser der Idee an und wurde wenig später auch erster Präses des Vereins. In der Wirtschaft Hillers-Lensing (später hieß sie Claushues-Fragemann) tagte die Gründungsversammlung, bei der bereits 40 Gesellen dem Verein beitraten. Die Chroniken nennen den 4. Fastensonntag als Datum. Das war der 13. März 1904, zugleich das damalige St. Josephfest. Der Heilige Josef ist bis heute der Schutzheilige der Kolpingsfamilien weltweit.

Inhaber und Mitarbeiter ...

der Schreinerei Röttger

vor dem Firmengebäude an der Hauptstraße (um 1900)

Das „Borkener Wochenblatt", Vorläufer der Borkener Zeitung, berichtet in seiner Ausgabe vom 23. April 1904 aus Anlass der ersten großen Zusammenkunft des Vereins indirekt von der Gründung des Velener Gesellenvereins. Der Artikel selbst ist datiert auf den 19. April. Die Gründung lag da rund fünf Wochen zurück.

„Velen, 19.April. Der seit einigen Wochen hier bestehende kath. Gesellenverein feierte am vergangenen Sonntag sein I. Stiftungsfest. Obgleich nur die Gesellen und Ehrenmitglieder Zutritt hatten, war der ganze Saal dicht besetzt. Außer den Vertretern der kirchlichen und weltlichen Behörde beehrten auch einige Herren Geistliche der Nachbarschaft das Fest mit ihrer Gegenwart. Nachdem der Präses des Vereins, Herr Vikar Drolshagen die Erschienenen willkommen geheißen hatte, begrüßte der Präses des Bocholter Gesellenvereins Herr Kaplan Drestomark den jungen Bruderverein in längerer Rede, in welcher er den Mitgliedern besonders die Tugenden warm anempfahl, die Vater Kolping in seinen Wahlsprüchen zusammengestellt hat. Dann trat der Frohsinn in seine Rechte. Gemeinsame Lieder wechselten mit humoristischen Vorträgen, die allgemeinen Beifall fanden. Den Höhepunkt erreichten die Darbietungen in einem längeren Theaterstücke: Das geplagte Schneiderlein. Das flotte und verständnißvolle Spiel zeigte, daß sich unter den jungen Leuten tüchtige schauspielerische Kräfte befinden. Auf vielseitigen Wunsch wird der Verein am nächsten Sonntag den 24 ds. Mts. Abends '/28 Uhr eine Wiederholung dieses Stückes mit einer Zugabe veranstalten, zu der jedermann gegen geringes Entree Zutritt hat. Der Verein kann mit Befriedigung auf sein 1. Stiftungsfest zurückschauen und in dem schönen Verlauf desselben ein günstiges Vorzeichen für die Zukunft erblicken."

Der Artikel legt die Vermutung nahe, dass sich die Gesellen bereits vor der offiziellen Gründung des Vereins organisiert hatten. Ein Theaterspiel ist nicht in fünf Wochen aufführungsreif von einer Laienspielschar einstudierbar.

Meldung im Borkener Wochenblatt ...

vom 23. April 1904

Haus Bücker in der Hauptstraße ...

um 1910:

ein typisches Stellmacher-Haus. Die Stämme wurden mit der Handsäge für den Schnitt in Bretter und Bohlen vorbereitet.

 

Der neue Verein

Die Statuten des neuen Vereins entsprachen den von Adolph Kolping propagierten Zielen, vor allem die geistige und religiöse Bildung der Gesellen mit dem Ziel tüchtige Handwerksmeister hervorzubringen. Im ersten Statut des Vereins wird der „Zweck des Vereins" wie folgt benannt: „ Fortbildung und Unterhaltung der Gesellen zu Velen zur Anregung und Pflege eines kräftigen religiösen und bürgerlichen Sinnes und Lebens, um dadurch einen tüchtigen, ehrenwerten Meisterstand heranzuhilden." Dazu sollten laut Satzung „ Oeffentliche Vorträge, Unterricht, Gesang, Lesen passender Schriften, gegenseitige Besprechung, Unterhaltung, gemeinsame Erheiterung und gegenseitige Hülfe" genutzt werden. „ Politik und religiöse Polemik sind aus dem Verein grundsätzlich ausgeschlossen", heißt es weiter. Anhand dieser Zielformulierung wird die Motivation der Gesellen deutlich. Sie suchten eine Organisationsform, die von den kirchlichen Autoritäten anerkannt und unterstützt wurde, in der sie Solidarität unter Ihresgleichen leben und einfordern konnten, in der Bildung möglich war, in der aber auch Geselligkeit und Unterhaltung ihren Platz hatten. Das war um 1900 in den Landgemeinden keine Selbstverständlichkeit, wurde nicht selten sogar sehr misstrauisch beäugt.

Der neue Verein hatte vielleicht deshalb nicht nur einen Vorstand, dem als Präses Vikar Drolshagen und als Senior Bernhard Nienhaus vorstanden, sondern auch noch einen Schutzvorstand. Diesem gehörten Pastor Friedrich Rose, Amtmann Florenz Roters, Domänenrat Engelbert König, Rentmeister Paul Niesen und Bäckermeister Kaspar Biergans an. _Die Namen des Schutzvorstandes beweisen, welch gute Aufnahme und Unterstützung der junge Verein in der Bürgerschaft von Velen gefunden hatte", schreibt Rektor Wenn. Tatsächlich wird man bemüht gewesen sein, einer Fehlentwicklung des Vereins vorzubeugen, denn der Schutzvorstand beschnitt rein formal die Eigenständigkeit und Selbstverwaltung des Gesellenvereins. Ob in der Praxis der Schutzvorstand jemals gegen den Vorstand in die Geschicke des Vereins eingegriffen hat, ist nicht bekannt.

Holzschuhmacher Joseph Holstegge ...

gehörte zu den

Gründungsmitgliedern. Hier ein Bild aus seiner Werkstatt (um 1920).

Für August Wenns Einschätzung, dass der Verein von Anfang an das Wohlwollen der Bürger gefunden hatte, spricht, dass 54 Handwerker (vermutlich sämtlich Meister) dem Verein als Ehrenmitglieder beitraten. Dem Vorstand gehörten neben Präses und Senior noch Kaplan Caspar Pannick als Vizepräses, Hermann Heselhaus (Schreiner) als Schriftführer sowie die Gesellen Hermann Sundrum (Schreiner), Bernhard Borghorst (Schuhmacher), Joseph Holstegge (Holzschuhmacher) und Anton Lohbereier (Schreiner) als sogenannte Ordner an.

Festumzug des Vereins ...

anlässlich des

zehnjährigen Bestehens 1914.

Das Wohlwollen der katholischen Kirche sicherte man sich nicht nur durch Einbindung der örtlichen Geistlichen in das Präsesamt, das übrigens mit zahlreichen Rechten ausgestattet war, sondern auch durch die in den Statuten vorgeschriebene Teilnahme an Messfeiern. In §23 des Vereinstatuts heißt es: „Der Verein veranstaltet 5mal im Jahre eine gemeinschaftliche hl. Kommunion und zwar
1. am Feste 'Heilige drei Könige'
2. am Schutzfeste des hl. Joseph (Patrons- fest)
3. am 2. Sonntag nach Ostern (Stiftungsfest)
4. am ersten Tage des 40stündigen Gebetes
5. am Rosenkranzfeste
zur Teilnahme an den gemeinschaftlichen hl. Kommunionen sind die aktiven Mitglieder verpflichtet
".

Dass es auch eine „kleine Opposition" in Velen gegeben habe, berichtet der Heimatdichter Franz Burhoff anlässlich eines plattdeutschen Vortrages, den er in den 50er Jahren bei einem Unterhaltungsabend der Velener Heimatfreunde gehalten hat. Er schildert hier in humoriger Art, wie er als kleiner Junge dem Gespräch seines Vaters und dessen Kameraden aus dem Kriegerverein beim Kartenspiel gelauscht habe. Die Veteranen reklamierten demnach das Durchführen von Umzügen für sich und kritisierten den Festumzug anlässlich des Stiftungsfestes des Gesellenvereins. Die Gesellen selbst bezeichneten sie als Komödianten, eine Anspielung nicht nur auf das Theaterspiel, sondern auch auf die reisenden „Komjantenwagen", die unregelmässig im Dorf Station machten.

1908 stellten sich diese ...

Mitglieder zum Gruppenbild mit Fahne

Dem Erfolg des Vereins tat das keinen Ab7.ruch. Bereits zum Stiftungsfest 1905 war die Mitgliedszahl auf 50 geklettert. Am 22. Juni 1905 erfolgte die Aufnahme des Vereins in den allgemeinen Verband der katholtschen Gesellenvereine mit Sitz in Köln. Zu den Aktivitäten des Vereins gehörten die in den Statuten verankerten Bildungsabende, dazu Religionsvorträge mit anschließender Diskussion, aber auch - wie oben gesehen - das Theaterspiel. Jeden Sonntagabend trafen sich die Gesellen von 20 bis 22 Uhr im Vereinslokal. Die Teilnahme war Pflicht. Nlehrmaliges unentschuldigtes Fehlen konnte zum Ausschluss führen.

Die ersten Kurse zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung stieß 1909 Vikar Pannick an, der Vikar Drolshagen bereits im zweiten Vereinsjahr als Präses abgelöst hatte. Der theoretische Unterricht erfolgte durch den Syndikus der Handwerkskammer Dr. Schellen und den ortsansässigen Hauptlehrer Heinrich Notz. Zwölf Gesellen nahmen am Unterricht teil, sechs legten danach erfolgreich die Meisterprüfung ab. Weitere Kurse folgten.

Gruppenbild zum ...

zehnjährigen Jubiläum 1914

Der Verein hielt seine Mitgliedszahl in den Anfangsjahren kontinuierlich zwischen 30 und 50 Gesellen. Aber nicht zuletzt gefördert durch die eigene Bildungsarbeit, schieden viele Gesellen mit der Erlangung des Meistergrades oder durch Heirat aus. Sie wurden in aller Regel Ehrenmitglieder, so dass diese Zahl bereits in den ersten zehn Vereinsjahren auf rund 200 stieg. Zudem gab es im Verein eine ständige Fluktuation, durch Gesellen. die auf Wanderschaft gingen beziehungsweise einen Teil ihrer Wanderzeit in Velen verbrachten.

Der wachsenden Größe des Vereins trug auch der Wirt des zweiten Vereinslokals BeckerRibbekamp, Hermann Ribbekamp, Rechnung. Er schuf laut Chronist Wenn hinter seinem Gasthaus in der Hauptstraße für die Gesellen einen Saal, in dem unter anderem die Theateraufführungen stattfinden konnten. Auch das kann man als Zeichen dafür werten, dass die Kolpingsöhne im Ort anerkannt waren und von einer großen Mehrheit der Bevölkerung getragen wurden. In jedem Fall aber waren ihre Veranstaltungen so gut besucht, dass auch der Wirt davon profitierte. Natürlich nutzten aber auch andere Vereine, durchziehende Theatergruppen etc. den Saal.

Theatergruppe ...

von 1910

Erwähnenswert ist das finanzielle Engagement der Gesellen und Ehrenmitglieder für den Verein. Bereits im ersten Jahr verfügten sie über eine Vereinsfahne. Sie wurde zum ersten Stiftungsfest im März 1905 geweiht. Anlässlich des Festes gab es einen Umzug, zu dem mehrere benachbarte Brudervereine eingeladen waren. An diesem Tag wurde auch die Aufnahme des Vereins in den Allgemeinen Verband der Gesellenvereine gefeiert. Ein entsprechendes, in Köln ausgestelltes „Diplom" ist noch heute im Vereinsbesitz. Ebenfalls in ersten Jahren wurde ein sogenannter "Lichtbildapparat" für die eigenen Bildungsmaßnahmen angeschafft. Auch dieser wird nicht unerhebliche Kosten verursacht haben. Laut Statut gab es auch eine Vereinsbibliothek, deren Benutzung allen Gesellen frei stand. Auch diese mußte finanziert werden. Ein Großteil seiner finanziellen Mittel erwirtschaftete der Verein sicherlich mit dem Theaterspiel. Dieses war sogar in der Satzung als regelmäßige „Festlichkeit" vorgeschrieben. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehörten aber auch sogenannte „Familienabende" zu Karneval sowie „Christbaumfeiern", bei denen eine Verlosung stattfand.

Das Theaterspiel war sogar ...

als wichtige Aktivität

in der Satzung verankert. Vor allem diente es aber der Finanzierung des Vereins.

Das Stiftungsfest zum zehnjährigen Jubiläum im Jahre 1914 wurde mit einem großen Handwerkerumzug gefeiert. Es war eine der letzten unbeschwerten Feiern. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges im August des gleichen Jahres beeinträchtigte das Vereinsleben in den Folgejahren nicht unerheblich. Viele Mitglieder wurden einberufen, zehn Gesellen und zehn Ehrenmitglieder fielen dem Krieg zum Opfer. Das Vereinsleben ruhte ab 1915, doch nach Kriegsende wurde es unverzüglich wieder aufgenommen. Dabei mag geholfen haben, dass der Vorstand auch während der Kriegsjahre rein formal weiterbestand. 30 Gesellen zählte man beim Stiftungsfest im Mai 1919. Die bewährten Aktivitäten wurden fortgeführt. Für 1924 bis 1929 findet man in den Akten des Velener Gemeindearchivs regelmässig Anträge auf Ausweitung der Polizeistunde. weil entweder Theaterabende oder Familienabende (darunter am 20.2.1928 ein so genanntes Kappenfest) stattfinden sollten.

Hinzu kam eine Turngruppe, die sich der Deutschen Jugendkraft Velen (DJK) anschloss und von Lehrer Paul Hatscher geleitet wurde.

Der Verein wuchs in den Folgejahren stetig an. Zum 25-jährigen Jubiläum 1929 zählte man rund 60 aktive Mitglieder sowie über 200 Ehrenmitglieder. Das Jubiläum wurde mit einer religiösen Vortragswoche, einem dreitägigen Festprogramm sowie einer großen „Volksbelustigung" gefeiert. Im Handwerkerumzug marschierten neben den Mitgliedern der in Velen vertretenen Zünften auch etliche Gesellen befreundeter Vereine aus den Nachbarorten mit. Zu diesem Jubiläum erschien auch eine Festschrift, die wertvollste Quelle für die Darstellung dieser Chronik.=

Festumzug zum 25-jährigen ...

Jubiläum 1929.

Das Bild zeigt die Ehrenmitglieder des Vereins.

Im Zug marschierten ...

auch die Vertreter der Velener Zünfte mit.

Das Bild zeigt die Vertreter der Bäckerinnung.

Auf dem Bild ist ...

der von zwei Kaltblütern

gezogene Festwagen der Molkerei Wiegert vor dem Firmengebäude zu sehen.

Zahlreiche Gastvereine ...

marschierten im Festumzug von 1929 mit.

 

1930 - 1945

 

Der Gesellenverein während der NS-Zeit

Die erfolgreiche Arbeit des Gesellenvereins setzte sich auch nach dem Jubiläum 1929 nahtlos fort. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich das. Im Rahmen der Gleichschaltung 1935 wurden bekanntlich nahezu sämtliche Nichtparteiorganisationen verboten. Insbesondere die vereinsmäßig organisierte Arbeiterklasse hatte die NSDAP-Führung dabei im Auge.

Die Verbandsleitung des Gesellenvereins in Köln hatte bereits ab 1933 einen Kurs gefahren, der den Nationalsozialisten die Loyalität und die Anpassungsbereitschaft an das NS-Regime demonstrieren sollte. In der Hoffnung, so die eigene Unabhängigkeit zu sichern, hatte die Verbandsführung die Bereitschaft zur Mitarbeit im neuen Staat beteuert und als eine Art Bekräftigung dieser Haltung die Umbenennung des Katholischen Gesellenvereins zur Deutschen Kolpingsfamilie beschlossen. Diese bedenkliche Taktik ging letztendlich zwar auf, die Deutsche Kolpingsfamilie blieb von einem Komplett- verbot verschont, aber den Repressalien der NSDAP war auch sie ausgesetzt.

Ab 1934 begannen die Nationalsozialisten deutschlandweit eine „Politik der Nadelstiche" gegen die katholischen Vereine. Das traf auch die lokale Ebene. Im Februar 1933 hatten die Gesellen noch unbehelligt zu einem „Konzert mit Tanz" eingeladen, ein anderer Titel für die alljährliche Karnevalsfeier. Doch bereits ein Jahr später hatte sich das Klima auch auf Ortsebene stark verändert. So forderte Landrat Dr. Peter Cremerius am 21. Februar 1934 von Bürgermeister Josef Becker eine Aufstellung der katholischen Vereine in Velen und Ramsdorf. Insbesondere Neugründungen seit Jahresbeginn sollten gemeldet werden. Das Schreiben muß man als Ausdruck des Misstrauens gegenüber den katholischen Vereinen verstehen. Becker führt in der prompten Antwort vom 27. Februar den Gesellenverein Velen mit 39 Mitgliedern auf, verschweigt aber die rund 200 Ehrenmitglieder. Zweck und Ziele des Vereins seien „Geselligkeit, Fortbildung und religiöse Betreuung", so der Amtmann. Seine eher „mageren" Beschreibungen der Vereine verwundern insbesondere hinsichtlich des Velener Gesellenvereins nicht. Becker war bereits im Oktober 1927 in den Schutzvorstand des Vereins gewählt worden, stand ihm also nahe. Unter dem wachsenden Druck der Nationalsozialisten sollte er sich später allerdings auch als Opportunist erweisen.

Das Theaterspiel ...

gehörte von Anfang an zu den Aktivitäten des Gesellenvereins. Nach 1934 war damit zunächst Schluss. Das Bild stammt vermutlich aus den späten 20er Jahren.

Im Mai 1934 fordert Berlin von den Staatspolizeistellen Berichte an, in „wie weit sich vor der Machtergreifung die katholischen Gesellenvereine durch Flugblattverteilung oder Unterstützung der Wahltätigkeit der Parteien politisch betätigt haben." Auch das spiegelt ein heftiges Misstrauen gegenüber den Kolpingsöhnen wider.

Ähnlich wie die Verbandsleitung in Köln versuchte die Velener Kolpingsfamilie sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Als Indiz dafür mag gelten, dass die Gesellen unter Johannes Höbing im September 1934 ein Theaterstück mit dem nationalistischen Titel „Verdun" einstudierten und es im Oktober und November zu Gunsten des Winterhilfswerkes vier Mal aufführten. Allerdings war die „Spende" an das Winterhilfswerk verpflichtend. Das geht aus einem amtlichen Schreiben vom 8. März 1935 hervor, das einen entsprechenden Erlass von 1934 wieder aufhebt.

Den ersten größeren lokalen Konflikt zwischen Staatsmacht und Gesellen gab es im Juni 1934 in Ramsdorf. Anlässlich der Beerdigung des Ehrendechanten Schmees war dem katholischen Arbeiterverein sowie dem Gesellenverein Ramsdorf das Mitführen der Vereinsfahnen bei der Beerdingungsprozession verboten worden. Da die Vereine dem Verbot nicht folgten. beschlagnahmte die Ortspolizei die Fahne des Ramsdorfer Gesellenvereins. Die Mitglieder des Arbeiten er- eins hatten ihre Fahne rechtzeitig in der Kirche in Sicherheit bringen können. Von kirchlicher Seite gab es Proteste. die zur Herausgabe der Fahne und eine Entschuldigung durch Amtsbürgermeister Becker führten.

Die kolorierte Abbildung auf dieser Postkarte ...

zeigt das Hotel Ribbekamp/Westhof in der Hauptstraße (heute Coesfelder Straße). Hier war bis zum Krieg das Vereinslokal des Katholischen Gesellenvereins. Im hinteren Bereich war der große Festsaal, in dem die Kolpingsöhne Theater spielten. Das Foto muss vor 1939 aufgenommen worden sein. Denn zu Krieg- beginn wurden nach Aussagen von Zeitzeugen die eisernen Gitter der Villa gegenüber demontiert und eingeschmolzen. Das Haus Ribbekamp steht noch, heute hat hier ein Optiker sein Geschäft. In der Häusereihe rechts sieht man zudem die ehemalige Post und im Hintergrund die Gaststätte „Coesfelder Tor" mit dem hohen unverwechselbaren Giebel.

Dieser Vorfall wird nicht ohne Wirkung auf Velener Gesellen gewesen sein. Gleiches gilt wohl auch für die Auflösung der Deutschen Jugendkraft, die bereits 1933 erfolgt war. auch wenn diese Auflösung im Juli 1933 zurückgenommen wurde und der Verein das beschlagnahmte Schrift- und Übungsmaterial sowie sein Vermögen zurückbekommen hatte. Ein Teil der Gesellen hatte, wie bereits oben angeführt, unter der Leitung von Lehrer Hatscher bei der DJK Sport ausgeübt.

Auch der Katholische Jungmännerverband, eine zentrumsnahe Organisation, war zunächst verboten und im Juli 1933 wieder zugelassen worden. Bei diesem Verein war Lehrer Notz der Schriftführer. (Im Oktober 1937 wurde der Jungmännerverein letztendlich diözesanweit verboten. Die Behörden wurden aufgefordert, zu beobachten, ob sich die Mitglieder zum Beispiel dem Jungkolping, der Pfarrjugend oder den Messdienern anschlössen. Ein Zeichen dafür, dass die Nationalsozialisten sehr wohl die Nähe zwischen diesen Organisationen kannten.)

Ein Vorfall von 1935 traf die Velener Kolpingsfamilie ganz konkret. Am 11. April des Jahres wurde im Vereinslokal eine Kolpingbüste zertrümmert. Zur Tatzeit hielt sich auf der Kegelbahn der Gaststätte ein Trupp SA-Männer aus Österreich auf, die im Velener Schloss stationiert waren. (Die NSDAP war in Österreich unter Kanzler Dollfuß im Juni 1933 verboten worden. Österreichische Nationalsozialisten und SA-Leute sammelten sich seitdem in Deutschland in der sogenannten „Österreichischen Legion"). Der Verdacht richtete sich gegen diese Gruppe. Die Osterreicher waren zuvor schon in benachbarten Orten negativ aufgefallen. Ob die Polizei den Vorfall verfolgt hat, geben die archivierten Gemeindeakten nicht wider.

Im Juni 1935 verfügte der Landrat, dass die Teilnahme der konfessionellen Vereine und Jugendvereine an Prozessionen nicht behindert werden dürfe. Möglicherweise gab es einen weiteren Vorfall wie den vom Juni des vorangegangenen Jahres in Ramsdorf. Auch Fahnen und Banner dürften mitgeführt werden, so der Landrat. Ebenso sei das Tragen von Barett und Schärpen erlaubt. „Dagegen ist das geschlossene Auftreten dieser Formationen vor und nach der Prozession verboten", heißt es in dem Erlass.

Das Vereinsleben fast gänzlich zum Erliegen brachte ein weitere Erlass vorn Juli 1935, der an die katholischen Vereine insgesamt gerichtet war. SS-Reichsführer Heinrich Himmler verbot den Kolpingsfamilien darin die Durchführung fachlicher Unterrichtskurse, die Vermittlung von Arbeitsstellen und die Betreuung wandernder Handwerksgesellen. Lediglich religiöse Aktivitäten waren noch erlaubt. Das muß die Gesellenvereine empfindlich getroffen haben.

Wie sich die Velener Kolpingsfamilie danach verhielt, ist nicht bekannt. Im Februar 1936 wurde Senior Franz Rühling eine beantragte Fastnachtsfeier mit Hinweis auf einen Gestapo-Erlass vom Juni 1935 verwehrt. Es ist anzunehmen, dass die Kolpingsfamilie danach von weiteren offiziellen Veranstaltungen absah. Allerdings behielt der Verein nach wie vor seine Präsides und auch seine Senioren. Das heißt, es gab eine funktionierende Leitung.

Seit 1921 hatte Vikar Bütfering das Amt des Präses innegehabt. Ihm folgte 1935 Vikar Müller, der bis 1939 amtierte. Bei den Senioren hatte Franz Rühling 1933 Johannes Höbing abgelöst. Er führte den Verein bis 1937, übergab das Amt dann an Willi Markert. Ob der Amtswechsel durch Wahl oder Delegation zum Beispiel durch den Präses erfolgte, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Hatte der Gesellenverein 1932 noch 53 Mitglieder gezählt, waren es 1934 nur noch 39 Aktive. Diese Zahl ist wahrscheinlich noch weiter gesunken.

Mit Ausbruch des Krieges wurden zahlreiche Mitglieder zum Wehrdienst eingezogen. Hier reißt auch die Kette der Präsides und Vorsitzenden ab. Zwischen 1940 und 1945 war das Amt des Seniors verwaist. Bereits seit 1939 gab es keinen Präses mehr. Das alles deutet darauf hin, dass der Verein seine Aktivitäten spätestens ab 1939/40 komplett eingestellt hatte.

 

1945 - 1954

 

Neubeginn nach dem Krieg

Am 26. November 1945 nahmen die Gesellen unter der Leitung von Präses Vikar Meier das Vereinsleben wieder auf, nun unter dem Titel Kolpingsfamilie. Erster Senior nach dem Krieg war Bernhard Vilain. Das Programm ähnelte den Aktivitäten vor 1933. Zum Beispiel wurde bereits 1949 wieder Theater gespielt. Aber vor allem ist aus den Protokollen der Versammlungen erkennbar, dass der Verein bemüht war, seinen Mitgliedern bei der sozialen, religiösen und vor allem politischen Orientierung in einer jungen Republik Hilfestellungen zu geben. So gab es zahlreiche Vorträge zu zeitaktuellen Fragen, zum Beispiel zur Neuordnung des Schulwesens, zur Gestaltung des Jugendschutzgesetzes, zum „Verteidigungsbeitrag" der jungen BRD gegen die Bedrohung aus dem Osten, zur Wichtigkeit der Teilnahme an Wahlen oder auch zum Thema „Der Mensch im Staate".

Das Bild aus dem Jahr 1954 ...

zeigt Aktive der Kolpingsfamilie mit der Jubiläumsschleife am Revers.

Ein Augenmerk galt weiterhin der beruflichen Bildung, aber auch allgemeine Wissensvermittlung wurde betrieben. Kirchliche Feiertage, Familienfeste, Tanzveranstaltungen und'Ausflüge komplettierten das Programm.

Zum 50-jährigen Jubiläum 1954 zählte der Verein 103 Mitglieder, das waren weiterhin ausschließlich junge Männer. Hinzu kamen 110 Ehrenmitglieder. Ab 1951 übernahm Pfarrer Herding das Amt des Präses. Robert Gerwers führte die Kolpingsfamilie als Senior in das Jubiläumsjahr. Das Jubiläum selbst wurde unter anderem mit einem großen Handwerkerumzug gefeiert. Bei den Feierstunden spielte die Instrumentalgruppe Kolping, die sich 1953 gegründet hatte.

Die Kolpingsfamilie im Jubiläumsjahr 1954 ...

auf der Freitreppe des Schlosses.

 

Bilder vom großen Handwerkerumzug 1954

 

Kolpingsfamilie Velen | Vorstand@Kolping-Velen.de | Mobil 0171 933 13 93